Kleine Geschichte des Kabaretts – “Der liebe Augustin”
Kabarettlandschaften 18. Juli 2011
1931 gründete die Schauspielerin Stella Kadmon im Souterrain des bekannten Ringstraßen-Cafés Prückel ihre Kleinkunstbühne “Der liebe Augustin”. Nach dem Vorbild des Berliner Kabaretts “Katakombe” sollte “Der liebe Augustin” eine der ersten politisch-literarischen Kleinkunstbühnen Wiens werden.
Da zu dieser Zeit das Geld denkbar knapp war, verlangte die Inhaberin des Cafés, Frau Therese Polouda, für den Kellerraum keine Miete, sondern eine Konsumationsbeteiligung. Kadmon einigte sich mit Palouda auf eine monatliche Abrechnung, die eine gewisse Anzahl von verkauften Kaffees erforderte.
In Peter Hammerschlag, der für die “Katakombe” in Berlin arbeitete, fand Kadmon einen originellen Conférencier und provozierenden Hausdichter.
Mit viel Engagement des Ensembles, dem neben Kadmon und Hammerschlag auch Fritz Spielmann als Musiker, Alfred Edthofer als Darsteller und Alex Szekeley als Blitzzeichner angehörten, konnte sich “Der liebe Augustin” sehr rasch in Wien etablieren. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland trat der emigrierte Schriftsteller und Journalist Gerhart Herrmann Mostar den “Augustinern” bei. Durch ihn wurde 1935 auch die Freiluftbühne “Der liebe Augustin im Grünen” auf der Hohen Warte gegründet.
Die letzte Vorstellung des Kabaretts Stella Kadmons ging am 9. März 1938 vor dem “Anschluss” über die Bühne.
In der Wollzeile im 1. Wiener Gemeindebezirk 1912 als “Bierkabarett Simplicissimus” (Simplicissimus = der Einfältige) eröffnet, wurde das damalige Speiselokal mit künstlerischem Programm bald liebevoll das “Simpl” genannt.